WIE VIELE SIND WIR EIGENTLICH NOCH

Wie viele sind wir eigentlich noch.
Der dort an der Kreuzung stand,
war das nicht von uns einer.
Jetzt trägt er eine Brille ohne Rand.
Wir hätten ihn fast nicht erkannt.

Wie viele sind wir eigentlich noch.
War das nicht der mit der Jimi-Hendrix-Platte.
Jetzt soll er Ingenieur sein.
Jetzt trägt er einen Anzug und Krawatte.
Wir sind die Aufgeregten. er ist der Satte.

Wer sind wir eigentlich noch.
Wollen wir gehen. Was wollen wir finden.
Welchen Namen hat dieses Loch,
in dem wir, einer nach dem andern, verschwinden.

Gedicht von Thomas Brasch (1945-2001)
Erstmalig erschienen 1975, Poesiealbum 89 (Verlag Neues Leben)

Musik: Soul Coughing (Screenwriter’s Blues), Bill Frisell (Untitled)


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Der Beitrag wurde am 20. Januar 2015 um 00:24 veröffentlicht und wurde in der Kategorie Allgemein, Literatur, Meins gespeichert. Du kannst Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen TrackBack auf deiner Seite einrichten.