MEMOIREN EINES GEDÄCHTNISLOSEN


Das ist Erik Satie. Der Franzose war nicht nur Komponist, Pianist und Minimalist, sondern auch ein begnadeter Exzentriker und Scherzkeks. Vor 100 Jahren zum Beispiel schrieb er in seinen Mémoires d’un amnésique (Memoiren eines Gedächtnislosen): „Jeder wird Ihnen sagen, ich sei kein Musiker. Das stimmt. Schon zu Beginn meiner Laufbahn … habe ich mich zu den Phonometrographen, den Schallmessern gezählt.“
Und an anderer Stelle informiert er uns sehr detailliert über seine täglichen Verrichtungen.

„Der Künstler muss sein Leben einteilen. Hier der genaue Zeitplan meiner täglichen Beschäftigungen:
Aufstehen: Um 7.18 Uhr. Inspiration: von 10.23 bis 11.47 Uhr. Ich nehme mein Mittagessen um 12.11 ein und stehe um 12.14 Uhr vom Tisch auf. Ersprießlicher Ausritt in den Tiefen meines Parks: von 13.19 bis 14:53 Uhr. Erneute Inspiration: von 15.12 bis 16.07 Uhr. Verschiedene Beschäftigungen (Fechten, Meditation, Reglosigkeit, Besuche, Betrachtungen, Geschicklichkeitsübungen, Schwimmen, etc.): von 16.21 bis 18.47 Uhr. Das Abendessen wird um 19.16 Uhr serviert und ist um 19.20 Uhr beendet. Es folgt symphonische Lektüre, laut vorgetragen: von 20.09 bis 21.59 Uhr. Das Schlafengehen erfolgt regelmäßig um 22.37 Uhr. Einmal wöchentlich schreckhaftes Auffahren um 3.19 (am Dienstag). Ich esse nur weiße Lebensmittel: Eier, Zucker, geriebene Knochen, Fett von toten Tieren, Kalbfleisch, Salz, Kokosnüsse, in Milchwasser gekochtes Huhn, das Schimmlige von Früchten, Reis, weiße Rüben, Weißwurst mit Kampfer, Teigwaren, (Weiß-)Käse, Salate von Watte und gewissen Fischen (nicht die Haut). Ich koche meinen Wein und trinke ihn kalt mit Fuchsiensaft. Ich habe einen guten Appetit, doch aus Angst vor dem Ersticken spreche ich nie während des Essens. Ich atme mit Bedacht (wenig auf einmal). Ich tanze sehr selten. Beim Gehen halte ich mir die Rippen und blicke starr hinter mich. Ich sehe sehr ernsthaft aus, und wenn ich lache, geschieht es unabsichtlich. Ich entschuldige mich stets dafür, und mit Leutseligkeit. Ich schlafe nur mit einem Auge; mein Schlaf ist sehr hart. Mein Bett ist rund und hat ein Loch, um den Kopf durchzustecken. Jede Stunde nimmt mir ein Diener die Temperatur und tauscht sie gegen eine andere. Seit langem habe ich eine Modezeitschrift abonniert. Ich trage eine weiße Mütze, weiße Strümpfe und eine weiße Weste. Mein Arzt hat mir immer das Rauchen empfohlen. Er fügt seinem Ratschlag hinzu: Rauchen Sie, mein Freund, sonst wird es ein anderer an Ihrer Stelle tun.“

Schön absurd, und deshalb jetzt: Drei Stücke in Form einer Birne (Trois Morceau en forme de poire).


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Der Beitrag wurde am 7. September 2013 um 21:11 veröffentlicht und wurde in der Kategorie Musik gespeichert. Du kannst Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen TrackBack auf deiner Seite einrichten.