AB JETZT IST RUHE – BILDERBUCH 5


Er war elf, als er auf das Internat einer Kadettenschule kam, die aus wilden und ungestümen Jungen tapfere Soldaten machen sollte. Mein ältester Bruder hatte anfangs nichts dagegen. Er liebte Uniformen und ging manchmal sogar mit seinem Pioniertuch schlafen. Also zog er stolz die Uniform an, in der er so erwachsen aussah, fuhr in die andere Stadt und hörte zu spät, wie das Anstaltstor schwer ins Schloss fiel.
Bald schon schmerzten seine Glieder vom täglichen Drill und sein Herz vom Heimweh, und er bat seinen Vater, ihn wieder nach Hause zu holen.
„Ich möchte kein Kadett mehr sein.“
„Was willst du dann?“
„Ich möchte Schriftsteller werden.“
„Auch ein Schriftsteller muss lernen und diszipliniert sein.“
„Dazu muss ich aber nicht hier bleiben!“
„Die größten sozialistischen Schriftsteller sind durch die harten Schulen des Lebens gegangen und haben gelernt.“
„Ich will hier weg. Ich halte es nicht mehr aus.“
„Reiß dich zusammen!“
(Weiterführende Lektüre: S. 34)


Die Kadettenanstalt in Naumburg (1956-1960)


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Der Beitrag wurde am 5. Mai 2012 um 11:20 veröffentlicht und wurde in der Kategorie Literatur, Meins gespeichert. Du kannst Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen TrackBack auf deiner Seite einrichten.